Abschied von Heidelinde Mitterbauer
Die SPÖ Bezirk Kirchdorf trauert um eine außergewöhnliche Frau, engagierte Kommunalpolitikerin und Wegbereiterin

Mit großer Trauer und tiefer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Heidelinde „Heidi“ Mitterbauer. Mit ihr verlieren wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit, eine engagierte Kommunalpolitikerin, eine überzeugte Humanistin, eine unermüdliche Vorkämpferin für die Anliegen der Frauen und einen Menschen, der das gesellschaftliche und politische Leben in Molln sowie im Bezirk Kirchdorf über viele Jahrzehnte hinweg geprägt und bereichert hat.
Heidelinde Mitterbauer ist im 83. Lebensjahr verstorben.
Die große Wertschätzung, die Heidi entgegengebracht wurde, zeigte sich auch bei ihrem letzten Abschied. Bürgermeister Andreas Rußmann würdigte in seiner Trauerrede im Namen der Marktgemeinde Molln ihr jahrzehntelanges Wirken für die Menschen und die positive Entwicklung ihrer Heimatgemeinde. Als ihr unmittelbarer Nachfolger im Amt des Vizebürgermeisters erinnerte er auch persönlich an die großen Fußstapfen, die Heidi hinterlassen hat, und an ihre Bodenständigkeit, ihre Verlässlichkeit und ihre tiefe Verbundenheit mit Molln.
Für die SPÖ Frauen Oberösterreich sprach Landtagsabgeordnete Renate Heitz in ihrer Funktion als Landesfrauenvorsitzende Worte des Dankes und der Erinnerung. Sie würdigte Heidelinde Mitterbauer als mutige und selbstbestimmte Frau, die sich schon zu einer Zeit politisch engagierte, als dies für Frauen – insbesondere im ländlichen Raum – noch keineswegs selbstverständlich war. Dass sowohl der Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde als auch die Landesfrauenvorsitzende der SPÖ Oberösterreich bei der Verabschiedung persönliche Worte des Dankes und der Anerkennung sprachen, war ein besonderer Ausdruck der hohen Wertschätzung für ihr Lebenswerk.
Seit dem 1. September 1970 war Heidelinde Mitterbauer Mitglied der SPÖ Molln. Sie gehörte zu jenen Frauen, die früh bereit waren, neben Familie und Beruf auch politische Verantwortung zu übernehmen. Mit Mut, Überzeugung und großem persönlichem Einsatz stellte sie ihre Kraft in den Dienst der Gemeinschaft und setzte sich für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichstellung von Frauen ein.
Ihr besonderes Herz schlug für die Frauenbewegung. Von 1973 bis 2022 stand sie – beeindruckende 49 Jahre lang – den SPÖ Frauen Molln als Vorsitzende vor. Darüber hinaus war sie Mitglied des Bezirksfrauenvorstandes und von 1993 bis 2006 Bezirksfrauenvorsitzende der SPÖ Frauen Kirchdorf. Durch diese Funktionen wirkte sie auch im Bezirksparteiausschuss und im Landesfrauenvorstand mit.
Heidi war eine Frau, die andere Menschen begeistern und mitnehmen konnte. Sie ermutigte viele Frauen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und selbstbewusst ihre Stimme zu erheben. Die Aussage, es würden sich keine Frauen für die Politik finden, ließ sie nicht gelten. Sie suchte das Gespräch, überzeugte und motivierte. Damit leistete sie einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Frauen im Mollner Gemeinderat stark vertreten waren und schließlich auch eine Frau das Bürgermeisteramt übernehmen konnte. Sie lebte Frauensolidarität nicht nur in Worten, sondern in ihrem täglichen Handeln.
Auch Bildung und Weiterbildung waren ihr ein großes Anliegen. Als Absolventin der Gewerkschaftsschule war sie überzeugt, dass Wissen stärkt und neue Möglichkeiten eröffnet. Sie organisierte Weiterbildungsangebote für Frauen, nahm selbst regelmäßig an Fortbildungen teil und ermöglichte vielen Frauen die Teilnahme an Konferenzen und Treffen. Mit großem persönlichen Einsatz organisierte sie gemeinsame Fahrten nach Linz und Wien und schuf damit wichtige Möglichkeiten für Austausch, Gemeinschaft und Vernetzung.
Im Jahr 1979 zog Heidelinde Mitterbauer in den Mollner Gemeinderat ein. Von 1990 bis 2009 war sie Vizebürgermeisterin der Marktgemeinde Molln. In diesen nahezu zwei Jahrzehnten war sie an der Seite der Bürgermeister Erich Dirngrabner und Alois Steiner sowie von Bürgermeisterin Renate Rettenegger eine engagierte, verlässliche und loyale Partnerin.
Während in dieser Zeit zahlreiche bedeutende Projekte für Molln umgesetzt wurden, war Heidi eine wichtige und geschätzte Mitgestalterin. Besonders in sozialen Fragen stand sie jedoch selbst in der ersten Reihe. Als langjährige Vorsitzende des Wohnungs-, Familien- und Sozialausschusses setzte sie sich mit großem Engagement und Beharrlichkeit für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ein. Leistbarer Wohnraum für junge Familien und betreubare Wohnungen für ältere Menschen waren ihr besondere Anliegen.
Ihr Einsatz ging weit über ihre politischen Aufgaben hinaus. Sie kümmerte sich um Menschen, die Unterstützung benötigten, organisierte Hilfsaktionen sowie Bücherbasare für soziale Projekte und wohltätige Zwecke und stellte dabei stets die Mitmenschlichkeit in den Mittelpunkt.
Ein weiteres Herzensanliegen waren die Gemeindepartnerschaften mit Buseck in Deutschland und Tát in Ungarn. Mit großem persönlichem Einsatz pflegte sie die internationalen Beziehungen und trug wesentlich dazu bei, diese Partnerschaften zu festigen und mit Leben zu erfüllen. Besonders die Unterstützung des Altenheims in Tát durch zahlreiche Hilfstransporte und ihre vielen persönlichen Kontakte waren Ausdruck ihrer gelebten Solidarität. Damit leistete sie auch einen wertvollen Beitrag zur europäischen Verständigung und Freundschaft.
Doch Heidi war nicht nur eine entschlossene und engagierte Politikerin. Sie war vor allem ein Mensch mit einem großen Herzen. Ihr Blick galt besonders jenen, die im Alltag oft übersehen werden oder sich allein fühlen. Auf ihre Initiative hin entstand die bis heute bestehende Weihnachtsaktion der SPÖ Frauen Molln, bei der alleinstehende ältere Frauen mit selbst gestalteten Kerzen besucht werden. Diese kleine, aber wertvolle Geste der Aufmerksamkeit und Verbundenheit trägt bis heute ihre Handschrift.
Auch junge Familien waren ihr wichtig. Bis heute werden Frauen nach der Geburt eines Kindes von den SPÖ Frauen Molln besucht und mit kleinen Geschenken und wertvollen Informationen unterstützt. Was Heidelinde vor vielen Jahren angestoßen hat, wird bis heute weitergeführt – ein bleibendes Zeichen dafür, wie nachhaltig ihr Wirken war.
Für ihren außergewöhnlichen Einsatz wurde Heidelinde Mitterbauer vielfach ausgezeichnet. Sie erhielt die Humanitätsmedaille des Landes Oberösterreich, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und wurde zur Ehrenbürgerin der Marktgemeinde Molln ernannt. Auch die ungarische Partnergemeinde Tát verlieh ihr die Ehrenbürgerwürde. Von der deutschen Partnergemeinde Buseck erhielt sie weitere Ehrungen, Urkunden und Verdienstmedaillen. Als Trägerin der Viktor-Adler-Plakette wurde zudem ihr bedeutendes Wirken für die sozialdemokratische Frauenbewegung gewürdigt.
Für uns als SPÖ Bezirk Kirchdorf bleibt Heidelinde Mitterbauer ein großes Vorbild. Sie hat gezeigt, was mit Mut, Ausdauer, Überzeugung und einem großen Herzen erreicht werden kann. Sie hat Menschen zusammengeführt, Frauen gestärkt, Verantwortung übernommen und sich mit ganzer Kraft für das Gemeinwohl eingesetzt.
Ihr Wirken wird bleiben – in den vielen Initiativen, die sie ins Leben gerufen hat, in den Menschen, die sie begleitet und ermutigt hat, und in den positiven Entwicklungen, die sie für ihre Heimatgemeinde mitgestaltet hat.
Liebe Heidi, wir danken dir für deinen jahrzehntelangen Einsatz, für deine Freundschaft und für alles, was du für Molln, für die Frauen, für die Menschen im Bezirk Kirchdorf und für die Sozialdemokratie geleistet hast.
Wir werden dir stets ein ehrendes, dankbares und freundschaftliches Andenken bewahren.
Freundschaft und ein letztes Danke. Ruhe in Frieden.